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Schlauchbootwochenende vom 8. bis 10. August 2008
in Oberhausen an der Nahe

Jawohl, liebe Leute, es war wieder 'mal so weit für eine gediegene Paddeltour auf der Nahe bei Oberhausen auf unserem speziellen Campingplatz. Obwohl der Termin schon Anfang des Jahres unter Mitwirkung Aller zu stande gekommen war, konnten sich leider nur einige wenige aufraffen. Die Teilnehmer waren diesmal Holgi, Ärisch, Thomas J., Doro Fischer und meine Wenigkeit mit Familie und Wohnwagen.

Und weil sich auch meine Teilnahme erst eine Woche zuvor entschieden hatte, vertraute ich am Freitag, ohne größere Routenplannung, dem Navi-Gerät die Wegstrecke an. Es war eine schöne Anreise. Knapp 2 Stunden ging es über Autobahnen, Landstraßen mit kleineren Staus, idyllische Kreisstraßen, und zum Schluss über kleine, 2 Meter breite Fahrradwege durch die Weinberge, immer die Nahe tief im Tal unten in Sichtweite. Ungelogen, das Navi scheuchte uns zielsicher durch Straßen und Wege hindurch, die für ein 12 Meter langes Wohnwagengespann sehr ungünstig ist. Gottseidank kein Gegenverkehr, und die paar Radfahrer mussten sich eben ganz an die Seite quetschen, sorry, wenden unmöglich.

So gegen 15 Uhr kamen wir dann doch ohne Unfälle am Campingplatz an. Der schnelle Platzwart, nennen wir ihn mal Herr G. , schickte uns, nach einem ungewollten, 20-minütigem Gespräch, gleich an die vorletzte Feuerstelle ganz hinten am Platz. Nun begann der Aufbau unserer Herberge. Meine beiden älteren Mädel wurden mit der Besorgung von trockenem Feuerholz beauftragt, was angesichts der am Freitag doch sehr feuchten Wetterlage erstaunliche Erträge einbrachte.

So gegen 17 Uhr traf dann auch Holgi aus dem fernen Karlsruhe ein. Während Holgi sein Zelt aufbaute, kam er, vollkommen überraschend, wie aus dem nichts, der Platzwächter Herr G. mit neuem, laufruhigem Leichtlaufrad angeglitten. Fahren oder radeln, diese Begriffe treffen für Herrn G. nicht zu, weil zu hektisch. Es ist wirklich unglaublich. Vor einigen Jahren dachten wir noch, die Reisegeschwindigkeit von Herrn G. könne nicht mehr unterschritten werden, weil sich sonst die auch dort gegebene Erdanziehungskraft der Rotationskraft der sich doch noch drehenden Räder bemächtigt und den alten Sack zu Boden reißt. Doch die ganze Prozedur wirkte sogar noch relativ elegant. Eigentlich ist Herr G. ein ganz lieber, gutmütiger Platzwart, immer für einen kleinen halbstündigen Plausch bereit. OK, Holgi hat in der Zeit dreimal sein Zelt aufgestellt als sich Herr G. von dannen machte um noch vor Mitternacht sein Domizil zu erreichen. Aufgrund der zu geringen Speicherkapazität von Holgi's Digitalkamera konnte er die Startphase von Herrn G. auf den ersten 20 Metern, bzw. die ersten effektiven Pedalumdrehungen des Fahrzeuges, nicht für die Nachwelt erhalten. Nach diesem ersten Highlight des Abends verlief der Rest des selbigen sehr gediegen und entspannt bei Äppler, Bier und Kerzenschein.

Am nächsten Morgen wurde bei leicht getrübtem Himmel das Frühstück zu sechst ausgiebig mit Brötchen, Kuchen, Wurst etc. zelebriert. Natürlich kam auch Herr G., der schon seit Sonnenaufgang auf dem Weg hier hinter war, zur Kontrollvisite vorbei. Nun erfuhren wir die neuesten Neuigkeiten aus der näheren Umgebung. Das Wetter wurde auch immer besser und wir begannen nun die Wasserfahrzeuge in ihr Element zu bringen. Die Nahe, die zu diesen Zeitpunkt sehr ungepflegt aussah, führte doch genug Wasser mit sich, um in der Mitte der Fahrrinne ca. 1,80 m Wassertiefe zu gewährleisten.

Holger, meine 3 Kleinen und sogar ich paddelten einige Zeit in den Fluten. Nach getaner Arbeit verließen wir das Nass und kühlten uns innerlich mit leicht geistigen Kaltgetränken ab. Ariane, Carina und Verena kümmerten sich nun wieder um das Feuerholz und Holgi ging versteckte Ü-Eier suchen in der Wildnis rund um Oberhausen.

Gegen 16 Uhr trafen dann auch Doro und Ärisch ein. Noch während der Begrüßungs- und Entspannungsphase gesellte sich der Chef-Präsi mit Moped dazu. Leider wurden es nicht mehr Teilnehmer, was durch Herrn G. völlig kompensiert wurde, wenn dieser heran huschte, um nach dem rechten UND linken zu sehen. Gegen Abend wurde sodann ein kleines Buffet angerichtet, welches die mitgebrachten Grillköstlichkeiten geschmacklich unterstützen sollte. Anschließend feierliche Eröffnung des Lagerfeuer's sowie Tests und Proben von mehreren mitgebrachten Weinen und Snacks.

Doch es wurde auch in stockfinsterer Nacht ein ernst zu nehmender Ablaufplan für die 25-Jahrfeier erarbeitet, um wenigstens etwas Sinnvolles getan zu haben. So um 1.30 Uhr war wirklich das allerletzte, brennbare Holz aus der Umgebung verbrannt. Also war Nachtruhe angesagt.

Am Sonntag Morgen, es muss etwa 8 Uhr gewesen sein, wurde ich durch heftiges Geschrei und deftige Wortgefechte geweckt. Die beiden Personen sind mir persönlich und familiär bestens bekannt. Also sorgte ich erst einmal für Ruhe und Ordnung im Zelt meiner Töchter bevor der Streit eskalierte. Wenig später erwachten dann auch die Anderen. Es folgte ein ausgiebiges Frühstück immer mit dem Blick nach oben, der nichts gutes versprach. Geli und die Kinder, die im eigenen Wagen an gereist waren, mussten uns schon wegen dringender Termine um 11 Uhr verlassen. Nachdem nun etwas Ruhe eingekehrt war, begann es leicht zu regnen. Jetzt war Eile beim Zeltabbau der Anderen geboten. Ich konnte die Sache Dank Wohnwagen entspannter angehen und half ein wenig mit. Ruckzuck hatten Doro und Ärisch ihren Fiat gepackt, Thomas J. war mit seiner BMW genauso schnell fertig für die Abreise. Nach kurzer Verabschiedung genoss ich erst mal ein kleines Mittagessen, bei leichtem Regen, im Wohnwagen. In diesem Moment erschien Herr G. auf der Bildfläche um die Platzverhältnisse zu sondieren. Mir war klar, wenn ich jetzt aus dem Wagen käme würde meine Mahlzeit erkalten oder vergammeln, also hielt ich stille. Nach ausgiebigem Rundumblick von Herrn G. begann nun die Startphase heimwärts.

Danach begann auch ich meine Sachen einzuräumen und wegzupacken. Stützen hoch und den Wohnwagen anhängen fertig. Fertig, noch lange nicht. Ich musste ja noch die Campingrechnung für Alle begleichen, wie lustig!! Also, ich vor zum Chef. Der saß vor seiner Campingparzelle auf einer Holzbank, sein Radio brüllte deutsches Liedgut aus dem Vorzelt. Er sah meine Teilnehmerliste, die Übernachtungen, die ganzen vielen Zahlen und Daten auf dem Papier und ­ er kapitulierte. "Ach, weißte", meinte er," ich hab das ja schon gestern mit deiner Frau ausgemacht, geb mir 92,- Euro und das stimmt so." Meinen verbrauchten Strom musste ich selber ablesen. Diese krumme Zahl rundete er auf eine leichter zu rechnende Größe ab und als er merkte, dass das Endergebnis immer noch krumm war, wurde noch mal nach unten gekürzt. So viel zu den Vorgängen auf der Gartenbank. Herr G. erhob sich nun so schnell wie er Rad fährt, und bat mich ihm ins Vorzelt seines Wohnwagens zu folgen. Sein Radio schmetterte mittlerweile die Schwarzbraune Haselnuss in den Raum, dessen Decke komplett mit Holz verkleidet war. "Nimm Platz", brüllte er mich an. "Ja danke", schrie ich zurück." "Ist ganz schön laut das Radio, gelle", schrie er mich an. Wer aber meint, die Wildecker Fett-Buben, die eben lautstark aus dem Gerät plärren, werden in ihrer Lautstärke gebremst, der irrt. Nun beginnt Herr G. mit dem Geld Zählen, dem Wechselgeld Zählen und herausgeben und mit dem Sschreiben der Quittung. Alles muss seine Ordnung haben. Und das bei voller Lautstärke mit Sindy und Bert. Jetzt brüllten wir uns noch gegenseitig einen schönen Tag zu und ich suchte schnell das Weite, verfolgt von der Zauberflöte mit Anneliese Rothenberger. In meinem Auto herrschte Totenstille. Ein leichtes Ohrenklingeln habe ich doch abbekommen. Die ersten Kilometer bin ich auch ohne Musik im Auto gefahren, nur der Stille wegen.

So, das war's. Ich habe mich diesmal ziemlich viel mit Herrn G. beschäftigt. Das musste 'mal sein. Und wer das alles nicht glauben kann, soll ruhig 'mal hinfahren. Er ist trotzdem kein Böser. Zum Schluß wäre noch zu sagen: Schade, das so wenige nach Oberhausen gekommen sind. Es war trotzdem ein sehr schönes Wochenende.

Thomas Weitsch

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