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2. German Vespa-Days 2014
2012 fanden zum 60jährigen Jubiläum des Vespa-Club von Deutschland (VCVD), Dachverband aller offziellen Vespa-Clubs, erstmalig die Deutschen Vespa-Tage (German Vespa-Days) in Herten im Ruhrgebiet statt. Es sollte eine Veranstaltung für ALLE Vespa-Fahrer werden, egal ob mit handgeschalteten Blech-Vespen oder Automatik-Rollern, ob offizieller Club oder Einzelfahrer. Die Veranstaltung wurde seinerzeit mit viel Lob von allen Seiten bedacht, sowohl von VCVD-Clubs als auch von der freien Rollerszene. Was die Veranstalter damals allerdings bewogen hat, das größte offizielle Vespa-Treffen mit einem englischen Namen zu versehen, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich fand es unpassend und bediene mich daher lieber der deutschen Übersetzung.

Der Vespa-Veteranen-Club wollte sich dieses Mal auch mit einem Stand präsentieren. Um dem geneigten Vespa-Volk zu zeigen, dass der Club nicht nur aus älteren Herren mit weißen Overalls bestehen, die mit restaurierten GS/3s durch die Gegend vespazieren (so die noch oft in der Vespa-Szene anzutreffende Vorstellung über den Club).

Ich hatte Freitags Urlaub und begab mich gegen 9 Uhr mit meiner 200er Rally auf den Weg. Bis Idstein sollte es über die Autobahn gehen, danach weiter über die B 54 und andere kleinere Straßen. Ein stärkendes Eis unterwegs in Rennerod genossen und in der Ferne die ersten dunklen Wolken erblickt. Die Temperaturen waren angenehm und so fuhr ich unbeschwert meinem Ziel entgegen. Kurz vor Hagen begab ich mich wieder auf die Autobahn, um die letzten 55 km zeitnah zurückzulegen. Bedauerlicherweise war aber gerade Stau, so dass das Tempo ein wenig gedrosselt werden musste. Kurz vor dem Ziel gab es noch kurz erhöhte Luftfeuchtigkeit, die mich aber nicht weiter aufhielt. Gegen 14.30 Uhr hatte ich den Veranstaltungsort, die Zeche Ewald, erreicht. Hier herrschte bereits buntes Treiben. Etliche Bekannte waren schon vor Ort und so wurde nach der kurzen Nennprozedur gleich Benzin geredet. Da unser Begleitfahrzeug mit Pavillon und Werbematerial noch auf der Autobahn weilte, fuhr ich die Rally einfach mal auf den zugewiesenen Platz, zwischen Scooterpezzi und Conny und Martin mit ihrem Kartenstand. Die Zeit verging mit den üblichen sorgenfreien Beschäftigungen, unterbrochen durch gelegentliche Nahrungs- oder Flüssigkeitszufuhr, es war ja schließlich doch recht warm. Zu Zahlungszwecken waren Chips im Wert von 0,80 Euro im Umlauf.

Zu vorgerückter Stunde begann die Party im Zelt. Die DJs Alex, Ronny und Pepe legten überwiegend Northern Soul und ähnliches auf. Wer seine Füße nicht auf der Tanzfläche bewegen wollte, hatte im Zelt und auf dem Platz davor Gelegenheit, Benzin zu reden und Cocktails oder andere Getränke zu genießen. Ab 23 Uhr gab es zudem eine geführte Nachtwanderung mit Leuchtsticks über die Halde Hoheward, zu der man sich im Vorfeld anmelden konnte. Aufgrund behördlicher Auflagen mussten die abendlichen Partys leider um 4 Uhr morgens beendet werden.

Gegen Mitternacht wurden die von einem externen Caterer betreuten Getränkewagen auf dem Platz leider schon geschlossen und der vor dem Zelt plazierte Sicherheitsdienst hielt diejenigen Gäste, welche nicht mit einem passenden Kontrollarmband ausgestattet waren, von der Teilname der Party im Zelt und, noch schlimmer, auch von der Getränketheke ab. Dies sorgte verständlicherweise für Unmut und förderte den Genuß von Fremdgetränken, insbesondere Bier. Das Nachsehen hatten auch einige Gäste die arbeitgeberbedingt erst um Mitternacht vor Ort waren, eine geschlossene Nennung vorfanden und sich kurzfristig nicht am Umsatz beteiligen konnten. Diese Umstände konnten aber zeitnah zum Guten gewendet werden.

Der nächste Morgen begann um 8 Uhr mit dem Frühstück. Unglücklicherweise fiel irgendwann der Strom aus, so dass es länger dauerte bis alle Kaffeetrinker zufrieden gestellt werden konnten.

Gegen 10 Uhr wurde die Händlermeile und der Teilemarkt eröffnet. Etliche Privatpersonen hatten ihre Keller und Garagen geräumt und boten Vespa-Ersatzteile in unterschiedlichen Erhaltungszuständen an. Verschiedene Händler versuchten ihre (Vespa-)Devotionalien an den Mann (oder die Frau) zu bringen.

Um 11 und um 14 Uhr gab es Führungen über die Halde Hoheward oder das Zechengelände, zu denen man sich ebenfalls im Vorfeld anmelden konnte.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite konnte man die sportlichen Wettbewerbe des VCVDs bewundern. Ab 12 Uhr konnte jeder sein Glück mit seiner Vespa auf dem Turnierparcours versuchen. Hier fanden zudem auch die Wertungsläufe zur Deutschen Vespa-Turniermeisterschaft statt. Auf einem Trialparcours zeigten einige Fahrer ihre Künste.

Der Harlekins SC hatte einen Prüfstand aufgebaut, auf dem man für wenig Geld seinen Roller testen lassen konnte. Dieser erfreute sich den ganzen Tag über reger Beteiligung, angeblich waren am späten Nachmittag über 300 Roller auf dem Prüfstand gewesen. Zum Ende hin nahm ich mit der Rally auch mal die Gelegenheit war, es waren aber noch alle originalen 12 Pferde vorhanden.

Der Vespa-Club Hamburg kümmerte sich um die Publikumsbewertung der Oldtimer. Jeder der wollte, konnte seine Vespa in einem bestimmten Bereich abstellen, bekam eine Nummer auf seinem Roller angebracht und die Gäste der Veranstaltung konnten über ausgeteilte Zettel ihren Lieblingsroller bestimmen. Eine braun lackierte Lampe oben vom Vespa-Club "Amici del Bar" aus Holland gewann den Publikumspreis.

Um 17 Uhr sollte der "Corso Speziale" starten. Das Ziel wurde gehütet wie der berühmte Augapfel. Ob des tollen Wetters fuhren ca. 250 Vespisti auf schätzungsweise 200 Rollern, fünf Gespannen und 3 Apen mit. Endziel war die nahegelegene Halde Hoheward, auf der man einen tollen Blick über die Umgebung hat. Zum Abschluß gab es noch ein Erinnerungsfoto von allen Teilnehmern.

Danach wurden ein paar Präsente für Zielfahrt, Oldtimerprämierung etc. unter den Anwesenden im Zelt verteilt.

Ab 19 Uhr sollte das gemeinsame, im voraus bestellte, Abendessen im Zelt statt finden. Leider gewährte man dem wartenen Publikum erst um 19.30 Uhr Einlass, so dass einige lauwarmes bis kaltes Essen vorfanden ... Erst die etwas später eintreffenden Gäste bekamen wieder etwas warmes auf den Teller.

Die samstägliche Party begann gegen 21 Uhr, dieses Mal mit den DJs Champ und Sunny the Dancer. Die Musik war wie von den beiden gewohnt, abwechslungsreich und stellenweise schweißtreibend. Dem warmen Wetter war es sicherlich auch geschuldet, dass die Tanzfläche nicht ganz so voll war wie sonst. So hatten aber die Einzelnen mehr Platz für sich. Auch hier setzte erst die behördliche Auflage dem Treiben ein Ende.

Der Sonntag begann wiederum mit einem stärkenden Frühstück und genug Strom für die Kaffeemaschinen. Derweil wurde man Zeuge, wie umständlich es sein konnte, 2 Gästen einfach nur 2 Becher Kaffee zu verkaufen, die nicht im Besitz eines Kontrollarmbandes für das Frühstück waren.

Um 10 Uhr gab es für die verbliebenen Gäste und Teilnehmer noch einen ökumenischen Gottesdienst im Freien, in dessen Anschluß die anwesenden Vespen gesegnet wurden.

Nachdem ich mich von allen Bekannten verabschiedet hatte, begab ich mich auf dem kürzesten Wege zur Autobahn und war knapp 3,5 Stunden später wieder in heimischen Gefilden.

Es gab Licht:

  • Gelände: Der morbide Charme der alten Zeche passte irgendwie gut zu den alten Blechrollern.
  • Getränkeservice: Der Getränkeservice war wie gewohnt freundlich und schnell. Ein Dank an die Piraten und alle die sonst noch daran beteiligt waren!
  • Helfer: Der Vespa-Club Hagen sorgte sich um Kaffee und Kuchen sowie um das Frühstück am Samstag und Sonntag während die Los Piratos aus Voerde die Cocktailbar und die Getränketheke im Zelt zu verantworten hatten. Der Grillstand sowie die beiden Getränkewagen auf dem Platz wurden von einem externen Caterer bedient.
  • Korso: Die Korsofahrt auf die Halde war eine willkommene Abwechslung und wurde mehrfach laut und deutlich angesagt.
  • Sanitäre Anlagen: Es gab wie 2012 einen Toilettenwagen und Containerduschen die rege genutzt wurden und auf allgemeine Zustimmung stießen. Das der Toilettenwagen zusätzlich unermüdlich von Fachpersonal betreut wurde, kam ebenfalls sehr gut an.
  • Teilnehmer: Es waren wieder viele bekannte und neue Gesichter aus der Vespa-Szene vor Ort. Nach vorsichtiger Schätzung des VCVD gab es ca. 1.500 Teilnehmer (inkl. Besucher und Tagesgästen), am Samstag waren zeitweise etwa 700 Roller auf dem Platz.
  • Wetter: Das Wetter zeigte sich von seiner Besten Seite: Sonne satt – was will man mehr!

und

Schatten:

  • Abendessen: Der Preis des gemeinsamen Abendessen am Samstag war nicht angemessen, 10,– Euro wären in Ordnung gewesen. Auf dem Heidetreffen in Celle kann man sehen, wie ein Abendessen für 15,– Euro aussehen kann. Und vor allem auch so, dass diejenigen die kein Fleisch mögen, nicht benachteiligt werden. Oder man nimmt 25,– Euro Nenngeld wie auf dem Jubiläumstreffen der Roller-Freunde Vest Anfang Juli in Recklinghausen und fährt ein Buffet auf, dass diesem Namen mehr als gerecht wird.
  • Anmeldung: Die Anmeldung über die Internetplattform war umständlich und hat bei vielen für Unmut gesorgt. Warum wurde nicht einfach ein Nennformular der Ves­pina beigelegt oder als PDF in die Internetseite eingebunden bzw. in den entsprechenden Foren veröffentlicht?
  • Beschilderung: Es war an den Zelten nicht klar ersichtlich, was darin verkauft wurde. Erst wenn man direkt davor stand, konnte man auf der Preisliste erkennen, was geboten wurde. Es wäre doch sicherlich kein Hexenwerk gewesen, mal ein paar Schilder anzubringen.
  • Bier: Da vielen Gästen der Bierpreis zu hoch war (0,3 l für 2,40 Euro), wurde überdurchschnittlich viel Fremdalkohol konsumiert. Wenn zudem die beiden Gaststätten auf dem Gelände niedrigere Bierpreise als der Veranstalter anbieten, ist dies nicht gerade förderlich für den Absatz. Wenn dann auch noch die Getränkestände im Außenbereich schon um Mitternacht geschlossen werden – 2012 waren sie deutlich länger geöffnet und gut besucht – und nur noch Teilnehmer mit Kontrollarmband ins Zelt an die Getränkeausgaben gelassen werden, darf man sich nicht wundern, wenn andere Möglichkeiten in Anspruch genommen. Man kann nicht eine Veranstaltung für alle Rollerfahrer ausrichten wollen, und dann diejenigen ausschließen, die mit den meisten Bierkonsum (und damit auch Umsatz) zu verantworten haben ... Das es auch anders geht, beweist jedes Jahr u. a. der Vespa-Club Celle auf dem Heidetreffen im August.
  • Gelände: Wenn das Gelände so hohe Kosten verursacht, weil keine Infrastruktur vorhanden ist, sollte man sich überlegen, ob man nicht auf ein anderes Gelände ausweicht oder mehr Sponsoren einbindet. Es gibt vielleicht noch andere stillgelegte Zechen mit mehr Infrastruktur, so dass z. B. die Kosten für ein teures Zelt weg fallen könnten.
  • Händlermeile: Etliche Gäste hätten sich noch etwas mehr Ausgewogenheit gewünscht. 2012 war dies eher der Fall gewesen. Zum Beispiel fehlte ein offizieller Vespa-Händler, der schön die aktuelle Fahrzeug-Palette dem geneigten Publikum hätte präsentieren können.
  • Helfer: Nach dem Aufruf per Mail meldeten sich gerade einmal 2 (!) von 158 Clubs zur Unterstüzung. Ob es nur an den Formalitäten lag oder auch noch andere Gründe gab, ist mir nicht bekannt. Die Helfer bekamen jedoch weder Freigetränke noch -essen.
  • Kaffee: Es gab Kaffee nur zum Frühstück und im Zelt des Vespa-Club Hagen während der Kuchenausgabe. Es gab viele Vespisti die auch zwischen diesen Zeiten gerne den einen oder anderen Kaffee konsumiert hätten. Auf dem Vespa-Treffen der Roller-Freunde Vest in Recklinghausen am 1.-Juli-Wochenende gab es z. B. das ganze Wochenende rund um die Uhr Kaffee ...
  • Kuchenstand: Am Samstag war um 15 Uhr der Kuchen am Stand des Vespa-Club Hagen bereits ausverkauft. Da Herten nicht im Niemandsland liegt, wäre es sicherlich kein Problem gewesen, im örtlichen Großmarkt oder anderswo noch Kuchen zu organisieren. Auch hier gilt das gleiche wie beim Kaffee. Es gibt genügend Gäste die 24 Stunden am Tag Süßwaren nicht abgeneigt sind.
  • Lautsprecheranlage: Die Lautsprecheranlage auf dem Truck der TransportBotschafter wurde meiner Meinung nach zu wenig genutzt und teilweise war sie auch zu leise.
  • Musikprogramm: Es gab mal wieder wie so oft in den letzten Jahren auf offiziellen Treffen, ein einseitiges Musikprogramm auf den Partys am Freitag und Samstag abend. Uwe Bödicker, Präsident des VCVD, schreibt im GermanScooterForum das die Veranstaltung kein Run war. Trotzdem lief auf beiden Partys nur die entsprechende Musik. Man sollte nicht davon ausgehen, dass alle Gäste diese Musik mögen. Ein wenig mehr Abwechslung mit anderen Musikstilen hätte nicht geschadet und vielleicht auch mehr Gäste zum tanzen animiert.
  • Nenngeld: Das Preis-/Leistungsverhältnis des Nenngeldes für 15,- Euro war nicht immer angemessen. Wer früh genug genannt hatte, wurde mit Aufnäher (wahlweise gestickt oder gedruckt), Aufkleber, Button, Schlüsselanhänger und 4 Chips im Wert von 3,20 Euro entschädigt. Zudem war noch der Eintritt zu den beiden Partys am Freitag und Samstag sowie das freie Campen von Freitag bis Sonntag darin enthalten. Die Chips langten für ein Bratwurstbrötchen oder zwei Stück Kuchen oder ein Getränk ohne Becherpfand. Zudem gab es noch diverses Werbematerial und Werbegaben eines Herstellers für Pflegemittel zur Hautgesundheit. Wer erst kurz vorher sich nennen konnte oder wollte, bekam nur noch die Chips mit dem Werbematerial und den Werbegaben ... Ich kann mir gut vorstellen, dass es sich der eine oder andere für das nächste Mal überlegen wird, ob er noch nennt oder einfach nur als Tagesgast vorbei kommt.
  • Programm: Das Programm im Internet war nur umständlich auszudrucken. Gut wäre es gewesen, wenn man es auch als Download zur Verfügung gestellt hätte. Nirgendwo war das Programm vor Ort ausgehängt oder ausgelegt (oder ich habe es einfach nicht gesehen); außer im Zelt in dem die Nennung statt fand. So wussten die meisten Gäste und Teilnehmer nicht, was wann wo statt finden sollte ... Die meistgestellte Frage am Wochenende war sicherlich: Wo findet denn was um wie viel Uhr statt? Ich habe diese Frage oft gehört ...
  • Sicherheitspersonal: Das Sicherheitspersonal am Zelteingang war überwiegend unfreundlich. Ob es bei einem Regenschauer wohl auch alle Personen ohne Kontroll­armband im Regen hätte stehen lassen?
  • Werbung: Ich habe ein Banner vermisst, mit welchem auf dem Gelände für die Veranstaltung geworben wurde. Fläche gab es ja genug. Vielleicht habe ich es auch nur übersehen

Mein persönliches Fazit: Stellenweise hatte ich den Eindruck, dass die Organisatoren noch nicht so oft auf einem Vespa-Treffen, einem Run oder einer ähnlichen Veranstaltung waren. Sonst wären viele Dinge sicherlich anders organisiert worden ... Viele Lorbeeren die 2012 eingesammelt wurden, wurden an diesem Wochenende in meinen Augen wieder verspielt.

Ärisch

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